Hier noch ein Nachtrag zum Fall GeoGebra. Für die, die es nicht wissen: GeoGebra ist eine weit verbreitete, in Java geschriebene Software für die Erstellung und Berechnung mathematischer Figuren.
Eigentlich sollte GeoGebra in die Debian Paketquellen, jedoch wollten die Entwickler – dem Anschein nach – GeoGebra auf keinen Fall in den Paketquellen haben. Man sollte nach ihrer Meinung entweder die Java-Webstart Anwendung von GG nutzen, oder aber GeoGebra nur aus den von ihnen bereitgestellten Quellen installieren.
Die Gründe für dieses Verhalten blieben für mich rätselhaft, das Paket wurde von Giovanni Mascellani trotzdem in Debian integriert. Inzwischen sind die Entwickler (in der Debianwelt als “upstream” bezeichnet, da sie das “Rohmaterial” für ein Paket liefern) auch mit der Situation zufrieden. Also habe ich mal nachgefragt, warum denn eigentlich die Upstream-Entwickler so gegen eine Aufnahme des Paketes waren: Giovanni meinte, der hauptsächliche Grund dafür, dass die Entwickler GG nicht in Debian haben wollten war das Problem, dass extrem viele Versionen von GeoGebra in Umlauf sind, und man nicht für alle Fehlerkorrekturen bereitstellen kann. Außerdem wäre das verwirrend für die Nutzer. Das Ganze war also letztendlich (wie schon zuvor vermutet) nur ein großes Missverständnis.
Inzwischen arbeiten die GG-Entwickler wohl sehr eng mit Giovanni, der Paket-Maintainer für GeoGebra ist, zusammen, und diese Arbeit läuft perfekt und für beide Seiten produktiv. (Giovanni bedankt sich ausdrücklich beim Team von GeoGebra für die Hilfe beim paketieren)
Im Grunde war der Hauptgrund für dieses Verhalten also in etwa der selbe wie bei Mozillas Firefox: Man wollte schlicht und einfach nicht so viele Versionen lange Zeit supporten, oder verbuggte Versionen in einer Distribution wie Debian halten. (Was ich sehr gut verstehen kann, vor allem bei kleinen Teams ist das ein fast unmöglicher Aufwand)
Bei Mozilla kam dann auch noch die aggressive Markenpolitik hinzu, was dann dazu führte, dass Debian seinen eigenen Firefox-Fork pflegt. (Identisch mit Firefox, bis auf Name und Branding) Aber das ist auch ein anderes Thema.
Schlussendlich war das ganze “Problem” also nichts weiter als eine Serie von gegenseitigen Missverständnissen und ist auch eigentlich keinen Blogpost mehr wert. Da dieser Fall hier aber schon länger geschildert wird, musste natürlich eine Richtigstellung sein. Also letztendlich Vielen Dank an die GeoGebra-Entwickler für die Unterstützung, auch wenn’s am Anfang extrem chaotisch war.
Ist dann damit zu rechnen, dass Geogebra noch in Lucid verfügbar sein wird oder müssen wir uns da bis Maverick gedulden?
Das wird wegen der vielen Java-Abhängigkeiten noch bis Maverick dauern.
Wer will, kann aber natürlich auch die Debian-Quellen benutzen.
Ende gut, alles gut. Schön das die Entwickler umgestimmt werden konnten.